Eine große Reise: Michelbach – Fuldabrück
Ich hab´s wirklich gemacht! Mit dem Rennrad von Michelbach an der Bilz bis Fuldabrück, 356 km an einem Stück.
Seit einiger Zeit kam der Gedanke immer mal wieder hoch. Seit fast fünf Jahren ist mein neues Zuhause Michelbach an der Bilz im Hohenloher Land in der Nähe von Schwäbisch Hall. Die Idee: Von dort mit dem Rennrad nach „Hause“ zu meinen Eltern nach Fuldabrück bei Kassel zu fahren, selbstverständlich nicht in Etappen, sondern an einem Tag. Ich ahnte nur was mich erwartet, immerhin ist die Strecke auf der Autobahn schon ca. 330 km lang.
Da ich außerdem auch noch nie in 33 Jahren Radsport über 250 km an einem Stück mit dem Rad gefahren bin, konnte ich also nicht auf Geschwindigkeit fahren.
Der endgültige Entschluß kam dann doch irgendwie „spontan“, innerhalb von einer Woche.
Am 10. Aug. 2011 war es soweit: 5:00 Uhr morgens, 11° (immerhin über Null), dunkel ist es auch noch.
Im grünen Trikot des RSC-Fuldabrück, dem ich seit Gründung im Jahr 1978 angehöre, mache ich mich ohne Druck, aber mit einigem Misstrauen dem geliehenen Navigationsgerät gegenüber, auf den Weg. Die ersten Kilometer sind hinreichend bekanntes Gebiet und ich ignoriere die unaufhörlichen Korrekturaufforderungen des Navis, um möglichst unnötige Steigungen zu vermeiden.
Es ist schon eine seltsame Stimmung wenn man in der Dunkelheit mit dem Rad losfährt, nur wenige Menschen begegnen einem um diese Uhrzeit die meisten wahrscheinlich auf dem Weg zu Arbeit. Nur einige Katzen flüchten aufgeregt vor mir. Gegen 8:30 Uhr komme ich dann nach ca. 70km über Langenburg, Mulfingen in Bad Mergentheim an, deutlich langsamer als geplant mit einem Schnitt von inzwischen nur noch 22,0 km/h.
So wird das nichts! Nach einer kurzen Pause, entschließe ich mich zu einer Strategieänderung. Um Tempo zu machen verlasse ich die Nebenstrassen und fahre auf die B27 in Richtung Würzburg. Es ist jetzt hell und relativ wenig Verkehr, deshalb fühle ich mich mit dieser Entscheidung auch ganz gut.
Nach ca. 150 km komme ich dann in Arnstein ohne einen Tropfen Wasser in meinen drei Trinkflaschen an. In einer Metzgerei bekomme ich für nur einen Euro ein Leberkäs Weck und drei aufgefüllte Flaschen Wasser. Danach geht es über Hammelburg, Bad Brückenau durch die ganze Rhön. Eine herrliche Landschaft, aber ich hätte in der Schule besser aufpassen sollen. Es ist doch deutlich welliger als ich erwartet habe und mein Zeitplan kommt gravierend aus den Fugen als ich in Fulda ankomme und den Radweg R1 wähle der über Bad Hersfeld, Melsungen nach Fuldabrück führt.
Von Fulda aus fahre ich dann in Richtung Hünfeld und von dort in Richtung Bad Hersfeld, nicht ohne von der Beschilderung noch einmal von der Straße auf einen geschotterten Waldweg geführt zu werden. Diesmal sind es gleich einige Kilometer durch den Wald auf unbefestigten Wegen. Nichts für Rennräder, das geht ordentlich aufs Material.
Kurz hinter Bad Hersfeld verliere ich den Radweg in Richtung Rotenburg an der Fulda, obwohl ich mich hier eigentlich gut auskenne und ich mich in dem Radius befinde in dem ich bereits als Jugendlicher meine Trainingsfahrten mit dem Rennrad absolviert habe. Die 300 km in den Beinen machen mir wohl doch mehr zu schaffen als ich mir eingestehen möchte. Der Schnitt ist jetzt 22, 4 km/h. Meine Stimmung ist trotzdem noch gut, auch wenn es ein paar Regentropfen von oben gibt. Zum Glück blieb es bei diesen paar Tropfen.
An einer Einmündung treffe ich einige Rennradfahrer vom RV 03 Breitenbach bei Bebra die ich um Hilfe bei der Orientierung bitte. Bis Rotenburg an der Fulda begleitet mich dann ein Fahrer der Gruppe und ich brauche eine Weile nicht mehr über die Strecke nachzudenken, was mir richtig gut tut. Wir fahren mit deutlich über 30 km/h nebeneinander auf dem Radweg die wenigen Kilometer bis Rotenburg und verabschieden uns dann voneinander, ohne die Namen voneinander zu kennen, was mir aber erst später auffällt. So sind Rennradfahrer eben.
Es wird jetzt dunkel und ich aktiviere wieder meinen amerikanischen Weihnachtsbaum. Als es dann völlig dunkel wird, verlasse ich den Radweg wieder, um mich nicht in den Feldern zu verfahren. Zügig geht es jetzt die letzten flachen Kilometer über Melsungen, Guxhagen nach Fuldabrück. Ich genieße die letzten Kilometer in der Dunkelheit, das Ziel so kurz vor Augen. Es bald geschafft zu haben, hat offenbar doch noch einige Kräfte mobilisiert von denen ich nichts gewusst habe und ich komme nach 15:16 h reiner Fahrtzeit gegen 22:30 Uhr (der Rest ist durch Suchen und Pausen drauf gegangen) in Fuldabrück am Rathaus mit einem für mich überraschenden Gesamtschnitt von 23,2 km/h an.
Mir geht es gut und ich merke am nächsten Tag erst richtig was ich gemacht habe.
Eins steht fest: So schnell mache ich das nicht noch einmal. Aber wer weiß wie lange Vorsätze halten…
21.08.2011
Thomas
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